Die Nacht ist um 7.30 Uhr zuende - ich hab nach den Anreisestrapazen des Vortags geschlafen wie ein Stein und werde von meinem Handy-Wecker aus den Träumen gerissen. Raus aus den Federn, Vorhang beiseite - Bombenwetter! Also Laptop hochfahren, ab ins Bad, drei Tropfen Wasser ins Gesicht und die Zahnbürste kreisen lassen. Dann flott die bereits zuhause geplante "Pässetour" aufs Navi kopiert und dann nichts wie ab zum Frühstück!
Für heute habe ich mir eine Strecke von ca. 340 km vorgenommen, geworden sind's knapp 390 km. Im Track unten habe ich meine umleitungsbedingten Schlenker usw. rausgelöscht, deswegen hat der Track nur 347 km.
Nach dem Frühstück geht's los "über die Dörfer" und zunächst unter Vermeidung der B308 in Richtung Oberstaufen und von dort aus auf schönen Nebenstrecken über Steibis über die Grenze nach Österreich. Grobe Richtung ist nun Hittisau. Ein Hinweisschild "Rafting" macht mich neugierig, ich folge dem Schild und lande nach einigen hundert Metern auf einer Schotterpiste quer durch den Wald, die aber offenbar legal befahrbar ist. Da lacht das Herz des Varaderofahrers, ich mag Schotter, wenngleich es auch für solches Terrain besser geeignete Reifen als den Pilot Road gibt. Nach mehreren Kilometern (die Rafting-Geschichte hab ich übrigens nicht gefunden) lande ich schliesslich wieder auf der Landstrasse und es geht weiter in Richtung Müselbach, wo ich dann abbiege und ca. 4 km hoch auf den Berg zum Gasthof Alpenrose fahre, welcher von meinem Bekannten Manfred Beck geführt wird.
Nach einer grossen Apfelschorle (trotz Ruhetag! - danke Manni!) geht's weiter über die Bregenzerwaldstrasse L200, die ich bei Bezau für einen kleinen - aber lohnenswerten! - Schlenker über die Ortschaften Reuthe und Bizau kurz verlasse, um bei Schnepfau wieder auf die L200 einzubiegen.
Auf der Bregenzerwaldstrasse fahre ich weiter über den Hochtannbergpass, um dann bei Warth auf die L198 abzubiegen, die mich direkt über den Flexenpass führt und dann in die Arlbergstrasse mündet. Nach dem Überqueren des Arlbergpasses (Passhöhe in der Nähe des Ortes St. Christoph) und Durchfahren der im Sommer wenig reizvollen Wintersportorte Sankt Anton (amerikanisch: Stanton) und Pettneu bleibe ich auf der recht langweiligen L68 bis Pians. Dort biege ich Richtung Silvretta-Hochalpenstrasse ab. Vorsicht! Wenn man an diesem Kreisverkehr falsch abbiegt, landet man unweigerlich auf der Autobahn - ohne Pickerl auf dem Mopped kann das flott ein teurer "Spass" werden!
Die Strasse nach Pians und dann in Richtung Silvretta führt quasi rechts an diesem grossen Kreisverkehr vorbei. An der JET-Tankstelle am Ortseingang von Pians biegt man dann unmittelbar zur Silvretta ab.
Da diverse Motorrad-Fachzeitschriften die Silvretta-Hochalpenstrasse u. a. aufgrund der rigorosen Tempolimits als langweilig und zäh zu fahren bezeichnen, habe ich auf diese Strecke verzichtet. Meine Route habe ich so geplant, dass ich ca. 2,5 Kilometer nach dem Abbiegen an der JET-Tankstelle noch vor Erreichen der Mautstelle der Silvretta-Strasse nach links in Richtung Schloss Wiesberg und der Ortschaft Tobadill abbiege. Es folgt eine schöne Kurvenstrecke bis nach Landeck.
Ungefähr 6,5 Kilometer nach dem Ortsausgang von Landeck geht's links den Berg hinauf in die Ortschaft Fliess. Ursprünglich hatte ich geplant, von dort aus zur Piller Höhe zu fahren, aber nach knapp 4 kurvenreichen Bergauf-Kilometern war die Strasse aufgrund von Bauarbeiten ohne vorherige Ankündigung gesperrt, weshalb ich leider umkehren musste. Meinen Weg setzte ich dann zwangsläufig am Abzweig auf der L76 fort und nutzte dann den nächsten Abzweig in Richtung Fliess und Gretlern (L17). Diese Strasse mündet unmittelbar an der Piller Höhe.
Im Denzel-Alpenstrassenführer las ich vom sog. "Gacher Blick", einem 700 Meter hohen Aussichtspunkt in der Nähe der Piller Höhe, von dem man einen hervorragenden Blick über das Inntal hat. Das ist natürlich für einen Hobbyfotografen obligatorisch und so machte ich mich auf die Suche nach diesem Aussichtspunkt. Nachdem ich zum dritten Mal die Piller Höhe passiert hatte und auch das Nachfragen bei anderen Motorradfahrern nicht von Erfolg gekrönt war, beschloss ich, in einer Haltebucht in der Nähe des geschotterten PKW-Parkplatzes der Piller Höhe anzuhalten und auf dem Navi nach dem Aussichtspunkt zu suchen.
Tja - was soll ich sagen?! Kaum stand die Varadero in der Haltebucht und ich hatte mich meines Helms, der Handschuhe und der Jacke entledigt, sprang mir sofort ein kleines weisses Schild mit schwarzer Schrift ins Auge: "Gacher Blick - 1559 m". Hurra! Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn!
Nach einer ausgiebiegen Foto- und Videosession machte ich dann den Fehler des Tages und setzte spontan meinen Weg in Richtung Kauns fort. Fahrerisch ist das richtig schön, aber man landet praktisch in einer Sackgasse. Irgendwann stand ich - weil ich auf gut Glück gefahren bin - vor der Mautstation der Kaunertaler Gletscherstrasse. Da es schon relativ spät am Tag war, die Gletscherstrasse laut Schild an der Mautstation 26 km lang ist (braucht anständig Zeit, da Hochgebirge!) und man sich auch für die Schönheiten abseits der Gletscherstrasse Zeit nehmen sollte, beschloss ich, die Strasse nicht zu fahren und das auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. So machte ich mich wieder auf den Rückweg bis zur Piller Höhe, wo ich dann meine Tour auf dem ursprünglich geplanten Weg über die Ortschaft Piller bis nach Wenns fortsetzte.
Es folgte eine ziemliche Gurkerei durch die Stadt Imst. Diesmal wollte ich das Hahntennjoch nicht als schönen und schnellen Weg in die Dolomiten von Norden nach Süden überqueren, sondern mal in die andere Richtung - also von Imst nach Elmen - fahren. Von Imst aus gefällt's mir tatsächlich noch besser als andersherum.
Achtung! Insbesondere in den Ortschaften Pfafflar und Bschlabs sind Tempo 30-Strecken eingerichtet. Haltet Euch im eigenen Interesse an diese Beschränkung, denn dort stehen überall "Kapperlständer" (österr. Ausdruck für Polizisten) herum, die in bester Luke Skywalker-Manier mit ihren Laserschwertern umherfuchteln. Kann dann schonmal teuer werden, wenn man nicht von entgegenkommenden Moppedfahrern freundlich "gegrüsst" wird... gerade an Wochenenden empfiehlt es sich, aufgrund der oft massiven Polizeipräsenz die Tempolimits peinlichst genau einzuhalten.
Nach dem Hahntennjoch nehme ich Kurs auf das Namloser Tal - herrlich! Bin dort bislang noch nie gefahren, mir hat's dort aber so gut gefallen, dass ich zwei Tage später direkt nochmals dort entlang gefahren bin. Auch hier gelten auf bestimmten Streckenabschnitten Tempolimits, die man nach den Informationen auf der Homepage www.alpenrouten.de unbedingt einhalten sollte, wenn man teuren Tickets entgehen möchte.
Die weitere Tour führt nach Reutte, was ich glücklicherweise schnell hinter mir lassen konnte und weiter Richtung Gaichtpass und Tannheimer Tal fahre. Im Vergleich mit dem Namloser Tal ist das Tannheimer Tal geradezu einschläfernd, landschaftlich schön, aber fahrerisch sicherlich keine Herausforderung.
Kurz vor Erreichen der österreichisch-deutschen Grenze fülle ich noch einmal das Spritfass der Varadero mit dem im Vergleich zu Deutschland rund 20 Cent pro Liter günstigerem Ösi-Benzin und fahre weiter auf die Oberjochstrasse. Schade, viel Verkehr, ist ja mittlerweile auch fast schon Rush-Hour... die Fahrerei ist nicht zuletzt wegen des Überholverbots total zäh und wird noch zäher, als ich Bad Hindelang erreiche - schnurgerade und bestens ausgebaute, breite Strassen lassen nun wirklich keinen Fahrspass aufkommen.
Praktisch ist die Tour jetzt (20 km vor dem Ziel) zuende - auf dem Weg "gen Heimat" gibt's leider zur Strecke durch die Städte Sonthofen, Blaichach und Immenstadt keine brauchbare Alternative. So gurke ich halt durch den innerstädtischen Verkehr, erreiche dann irgendwann wieder die B308 und lande wohlbehalten und müde, aber mit einem Sack voller Fotos und Videos wieder in meiner Pension in Konstanzer. |