Wiesis kleine Alpentour
[Einschub der Redaktion:]
Dieser Bericht von Wiesis Urlaubstour 2006 erschien erstmalig auf der alten Varadero-Homepage. Peter war so nett und hat uns die Erlaubnis zur Wiederveröffentlichung an dieser Stelle erteilt. Dafür vielen Dank!
Und jetzt endlich zum Tourbericht von Peters "kleiner" Alpentour...
Die Vorgeschichte
Im Herbst 2003 habe ich mir endlich meinen Traum erfüllt und mir eine Varadero gekauft. Zuvor hab ich so manche Sonntagstour mit der 535er Virago meiner Tochter gemacht, was am Anfang noch ganz nett war, aber Leistung und Kurventauglichkeit waren halt doch sehr eingeschränkt. Jetzt habe ich also eine richtiges Motorrad und nach einer Eingewöhnungszeit von knapp einem Jahr habe ich mich zum ersten Mal in die Berge gewagt. Grimsel, Furka, Susten, Nufenen, Oberalp, Brenner und die umliegenden Seen und Stichstraßen habe ich in 2 Tagen abgefahren. Aber ich wollte mehr. Mein Ziel war es, einmal über die Alpen ans Mittelmeer zu fahren.
Gesagt, getan.
Frühjahr 2006 - ich suche im Internet alles zusammen, was man über die Alpen und die dazugehörigen Straßen erfahren kann. Urlaub habe ich für den August beantragt. Welche Pässe sollte man unbedingt mal gefahren haben? Kann man alle Punkte, die ich mir ausgewählt habe, auf geteerten Straßen erreichen? Ich glaube nicht, dass ich mit meinen kurzen Beinen in der Lage bin, meine voll gepackte Vara mit Sozia sicher über Schotterpisten zu bewegen.
Bei meinen Recherchen kam ich zu folgendem Ergebnis:
Die Schluchten von Verdun, auch als "Grand Canyon du Verdun" bezeichnet, sind das Highlight der Seealpen. Auch die kleineren Schluchten in den Seealpen, wie zum Beispiel Valabres, Daluis, Cians, Versubie, Bachelard, sollen sehr schön sein. Die französischen Seealpen gehören zur Provence nördlich der Cote d'Azur und ich muss mir jetzt nur noch eine schöne Route suchen.
Die höchste Alpenstraße, die allerdings kein Pass, sondern nur eine kleine Ringstraße um den "Cime de la Bonette" ist, sollte man unbedingt mitnehmen und dazu gehört natürlich dann auch der Pass "Col de la Bonette". Weitere berühmte Pässe-Namen wie Izoard, l'Iseran, Galibier, Télégraph, Comet de Roseland, Vars, Turini, Madeleine, Glandon, Restefond, Cayole, Croix de Fer, Ornon fielen mir ins Auge und die Entscheidung, welchen Pass man nun weglassen könnte, artete zu einer Zerreißprobe in meinem Kopf aus. Dann noch die vielen Schluchten... man bräuchte wohl 3 Monate, um das alles zu bewältigen. So entschied ich mich zu einer festen Route Richtung Süden, bei der ich die höchsten Pässe eingebaut habe, und hielt mir den Rückweg noch offen. Ich hatte so viele Möglichkeiten und wollte mir daher die Sache dann vor Ort nochmals durch den Kopf gehen lassen.
Geplant waren 10 bis 11 Tage. Davon 4 Tage Anreise, 2 Tage Aufenthalt und 4 Tage Rückreise. Gebucht habe ich nur ein Hotel 20 km nördlich von Monaco, was sich später als echter Glücksfall herausstellte.
Vielleicht eine Kleinigkeit noch im Vorfeld:
Meine Vara hatte vor der Tour 32.500 km. Die Kette sah zwar noch gut aus, musste aber auf den letzten 2.000 km zweimal nachgespannt werden. Auch die Bremsbeläge waren nicht mehr die besten und der patschende Auspuff machte mir auch ein bisschen Sorgen. Also ließ ich sie noch bei meinem FHH auf Vordermann bringen. Eine Kleinigkeit haben wir jedoch übersehen. Bei meiner Rückkehr und der anschließenden Reinigung, die sie ja wirklich nötig hatte, musste ich feststellen, dass der Kupplungszug nur noch aus wenigen dünnen Fäden bestand. Das nächste Mal werde ich also genauer hinschauen, denn ohne Kupplung hätte ich auf den mitunter winzigen und steilen Straßen keine Chance gehabt.
Es kann losgehen.
Das Wetter macht mich fertig! Nach 8 Wochen unerträglicher Hitze schlägt das Wetter pünktlich zu meinem Urlaubsbeginn um. Von fast 40 Grad fällt die Temperatur auf unter 20 Grad und in den Alpen liegt die Schneefallgrenze bei 2.400 m. Wie war das noch mal? l'Iseran 2.773 m, Bonette 2.800 m, Galibier 2.645 m. Ich denke daran, alles um ein Jahr zu verschieben. Aber meine Frau, die sich ja seelisch und moralisch auf einen nervenaufreibenden Trip vorbereitet hat, will jetzt auch nicht aufgeben. Also studiere ich 5 Tage lang die Wetterkarten. profi.wetteronline.de/prec_frame.htm hat mir dabei wertvolle Dienste geleistet. Hier lässt sich genau verfolgen, wie sich die Regengebiete verschieben, und diesen Karten habe ich es auch zu verdanken, dass ich gerade noch rechtzeitig weggekommen bin. Ursprünglich war die Abreise für Freitag geplant, aber aufgrund der Wetterprognosen haben wir die Tour einen Tag vorverlegt, 2 Tage wären jedoch noch besser gewesen.